Abschminktücher: Das Tuch, das mehr hinterlässt, als es entfernt

Wer schminkt, schminkt sich hoffentlich auch ab. Und wer viel schminkt – ob vor der Kamera, auf der Bühne, im Studio oder einfach jeden Tag fürs Gefühl – greift früher oder später zum Abschminktuch. Es ist schnell und passt in jede Tasche. Das ist praktisch, aber ob es gut für die Haut ist, ist eine andere Frage.

Ein Abschminktuch ist nämlich ein Leave-on-Produkt. Es wird nicht abgespült. Alles, was darin enthalten ist – Reinigungsstoffe, Konservierer, Feuchthaltemittel, Öle, Silikone und oft auch Duftstoffe – wischen Sie über das Gesicht und lassen es dort. Die wenigsten reinigen danach noch einmal nach. Stattdessen kommt direkt die Creme darüber. Damit versiegeln Sie genau das, was Sie eigentlich loswerden wollten.

In einem meiner letzten Beiträge „Wasser wäscht nicht“ habe ich erklärt, warum Reinigung mehr braucht als nur Wasser. Heute geht es um die andere Seite: Reinigung, die zwar etwas entfernt, aber auch etwas unerwünschtes zurücklässt.

Warum so viel drin ist, was niemand braucht

Machen wir ein kleines Gedankenexperiment. Ein feuchtes Vlies, monatelang in einer Plastikpackung würde von Natur aus schnell schimmeln, austrocknen oder kippen. Damit das nicht passiert, braucht so ein Tuch ein robustes Konservierungssystem, das auch Hefen und Schimmelpilze in Schach hält, dazu Feuchthaltemittel, damit nichts eintrocknet, und Reinigungsstoffe, die das Make-up lösen.

Das ist erst einmal nicht verwerflich, denn ein wasserhaltiges Produkt ganz ohne Konservierung wäre sogar unsicher. Und nein, es werden in der Regel keine separaten „Fungizide“ zugesetzt; die ohnehin enthaltenen Konservierungssysteme wirken meist auch gegen Pilze. Das eigentliche Problem ist also nicht, dass diese Stoffe drin sind, sondern dass sie ungespült auf der Haut bleiben und unter der Tagescreme versiegelt werden.

Und dann ist da noch die Reibung

Neben den Inhaltsstoffen kommt das Wischen selbst als ein zweiter, oft übersehener Punkt dazu. Make-up, vor allem wasserfestes, löst sich nicht von allein. Man rubbelt nach. Diese mechanische Reibung kann die Hautbarriere mit der Zeit schwächen und gerade empfindliche, zu Rötungen, Rosazea oder Unreinheiten neigende Haut zusätzlich reizen.

Dazu kommt, dass ein Tuch oft nicht alles entfernt, sondern einen Teil nur verteilt. Was zurückbleibt, ist eine Mischung aus Make-up-Resten, Talg und der Tuchlotion selbst. Also eigentlich das Gegenteil von sauber, oder? 

Teuer oder billig, das Problem wischt man nicht weg

Egal, ob es sich um Drogerieware oder vermeintlich hochwertiges Produkt handelt, oder ob ein Produkt für „empfindliche Haut“ oder als „besonders mild“ beworben wird. Im Grunde funktionieren Abschminktücher alle nach demselben Prinzip. Sie sind nicht alle gleich, manche kommen sogar ohne Parfum aus. Aber eines gilt für alle, sie bleiben auf der Haut.

Meine dringende Empfehlung lautet deshalb, ein Abschminktuch, wenn überhaupt nur im Notfall zu verwenden und nicht zum täglichen Gebrauch. Warum, das zeigt der Blick darauf, was so ein Tuch auf der Haut eigentlich hinterlässt.

Was davon auf der Haut bleibt

Sieht man sich die typischen Inhaltsstoffe solcher Tücher genauer an, erklären sie schnell, warum ein Tuch so funktioniert, wie es funktioniert und warum der fehlende letzte Schritt das eigentliche Problem ist.

Duftstoffe (Parfum). Sie sorgen nur für den angenehmen Geruch und haben keinen Pflegenutzen. Gleichzeitig zählen Duftstoffe zu den häufigsten Auslösern von Kontaktallergien in der Kosmetik. Gerade die dünne Haut rund um die Augen reagiert darauf empfindlich. Aber das ist ein eigenes, großes Thema, dem ich demnächst einen separaten Beauty Blog widme.

Konservierungsmittel. Jedes wasserhaltige Produkt braucht Schutz vor Keimen. Das ist sinnvoll und notwendig. Die Frage ist die Menge. Vier oder mehr Konservierer in einem einzigen Tuch sind keine Seltenheit und sind viel für etwas, das ungespült auf der Haut bleibt. Manche dieser Stoffe gelten zudem als bekannte Kontaktallergene.

Feuchthaltemittel (Glycerin, Glykole). Sie halten in erster Linie das Tuch selbst feucht, damit es in der Packung nicht eintrocknet. Auf der Haut sind sie grundsätzlich gut verträglich – sie sind also weniger das Problem als ein Hinweis darauf, wofür die Formel optimiert wurde: Haltbarkeit im Beutel. Glycerin ist in der Natur verantwortlich, dass Feuchtigkeit in der Pflanze reguliert wird. Aus Kostengründen wird aber sehr oft auf die chemische Version zurückgegriffen, die Feuchtigkeit in der Umgebungsluft sucht. Und wenn sie dort nicht gefunden wird, entzieht das chemische Glycerin die Feuchtigkeit aus der Haut. Zu beachten ist, dass auf einer INCI Liste nicht deklariert sein muss, woher das Glycerin kommt.

Die bei mir Salon verwendeten Produkte beinhalten ausschließlich pflanzliches Glycerin.

Tenside (Reinigungsstoffe). Sie lösen Make-up und Schmutz. Das ist genau ihre Aufgabe, aber sie sollen danach abgespült werden. Bleiben sie liegen, können minderwertige Tenside gerade bei mehrmals täglicher Anwendung die Hautbarriere mit der Zeit (zer)stören. Der Rückschluss liegt nahe: Billige Produkte verwenden billige Tenside. 

Silikone und Weichmacher-Öle. Sie geben das glatte, „gepflegte“ Gefühl direkt nach dem Wischen. Dieser Film ist es auch, der zurückbleibt. Silikon wirkt aber komedogen und bei zu Unreinheiten neigender und empfindliche Haut belastet dieser Rückstand die Poren.

Der gemeinsame Nenner: Nicht ein einzelner „böser“ Inhaltsstoff ist das Thema, sondern dass die ganze Mischung ungespült auf der Haut bleibt und unter der Tagescreme versiegelt wird. 

Auch Abwaschen löst das Problem nicht

Jetzt könnte man meinen, dass ein kurzes Vorwischen mit dem Tuch und anschließendes ordentliches Nachreinigen schon ausreicht. So einfach ist es leider nicht. Genau die Stoffe, die das Produkt monatelang stabil und haltbar machen, allen voran die Silikone, legen sich wie ein feiner Film auf die Haut und pappen dort regelrecht fest. Sie lassen sich längst nicht so leicht abwaschen, wie man glaubt. Das Ergebnis ist ernüchternd. Selbst wer mit dem Tuch vorreinigt und danach mit einem professionellen Reinigungsprodukt nacharbeitet, landet am Ende nicht bei dem schönen, klaren Hautbild, das er oder sie sich erhofft hat.

Vor allem die Augen leiden

In meiner Arbeit sehe ich es immer wieder. Viele Beschwerden rund um die Augen entstehen nicht über Nacht, sondern schleichend, zB. durch die monatelange tägliche Anwendung von Abschminktüchern. Oft sind die Betroffenen überzeugt, eine bestimmte Augencreme nicht zu vertragen. Beim genaueren Hinsehen ist aber gar nicht die Creme der Auslöser, sondern das Tuch, das Tag für Tag über die empfindliche Augenpartie gezogen wird. Warum gerade die Augen so empfindlich reagieren, ist ein Kapitel für sich, dem ich demnächst ebenfalls einen eigenen Beauty Blog widme.

Und dann ist da noch die Umwelt

Aus ökologischer Sicht lässt sich ziemlich klar sagen: Die meisten Einweg-Abschminktücher sind problematisch. Das liegt nicht an einem Detail, sondern an der Summe.

Kunstfasern und Mikroplastik. Viele Einwegtücher bestehen nicht aus Papier, sondern aus Vliesstoffen aus Kunstfasern, häufig Polyester (PET), Polypropylen oder Viskose-Kunstfaser-Mischungen. Diese Materialien bauen sich nur sehr langsam ab. In einer Studie an Abwasserproben machten Feuchttücher 59 % des ausgestoßenen Plastiks nach Masse aus; eine Untersuchung am Don River in Toronto fand, dass 99 % der analysierten Tücher aus Kunststoff bestanden (rund die Hälfte Polypropylen, die andere Hälfte Polyester). Werden Tücher in der Toilette entsorgt, belasten sie Kläranlagen und Gewässer besonders.

Hoher Ressourcenverbrauch. Jedes Tuch wird einzeln hergestellt, mit Flüssigkeit getränkt, verpackt, transportiert, einmal benutzt und entsorgt. Pro Anwendung entsteht deutlich mehr Abfall als bei einem wiederverwendbaren Waschlappen oder Reinigungspad.

Sind alle gleich schädlich? Nein. Es gibt Tücher aus pflanzlichen Fasern wie Baumwolle, Zellulose oder Lyocell, die biologisch besser abbaubar sein können. Aber der Einwegcharakter bleibt und der Ressourcenverbrauch und Abfall liegen weiterhin über dem wiederverwendbarer Alternativen. Auch „flushable“-Tücher sind kein Freifahrtschein. In einer Untersuchung enthielt die Hälfte der als spülbar beworbenen Tücher Mikroplastik.

Nicht ohne Grund empfehlen viele Umweltorganisationen wiederverwendbare Alternativen wie Waschhandschuhe, Waschlappen oder waschbare Abschminkpads. Über den gesamten Lebenszyklus schneiden sie in der Regel deutlich besser ab.

Meine Alternativen – sanft zur Haut, gut für die Umwelt

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich weiß, dass es Momente gibt, in denen es schnell gehen muss. Aber „schnell“ und „gut für die Haut“ schließen sich nicht aus. Drei Produkte aus meinem Salon zeigen, wie es besser geht. Zwei davon entfernen auch wasserfestes Make-up und alle kommen ohne Einweg-Vlies aus. (Klicken Sie auf den Produkttitel um mehr zu erfahren).

SOTHYS Reinigungsfluid Für Augen Und Lippen. Entfernt selbst hartnäckiges und wasserfestes Make-up zuverlässig und schonend. Die speziell entwickelte Formel reinigt die empfindliche Augen- und Lippenpartie gründlich, ohne einen unangenehmen Fettfilm zu hinterlassen. Zudem ist es Duftstofffrei.

SOTHYS Mizellare Reinigungslotion. Ein 2-in-1-Reiniger für Gesicht und Augen, der mit blauem und weißem Lotus beruhigt und – das ist mir wichtig – ebenfalls ganz ohne Parfum auskommt. Die Mizellen umschließen Schmutz und Make-up wie kleine Magneten. Aufgetragen wird das Mizellenwasser mit einem (am besten wiederverwendbaren) Pad. Ideal für unterwegs, backstage oder als sanfter erster Schritt. Auf empfindlicher Haut spüle ich danach gerne noch mit klarem Wasser nach und gehe in meine gewohnte Reinigungsroutine über.

SOTHYS ORGANICS® Reinigungsöl Gesicht & Augen. Mein Favorit, wenn die Haut wirklich sauber sein soll. Das biozertifizierte Öl (Ecocert/Cosmos Organic, vegan) mit Geißblatt- und Sonnenblumenöl löst selbst wasserfestes Make-up und verwandelt sich bei Kontakt mit Wasser in eine Milch, die abgespült wird. Was gelöst wird, wird auch weggespült statt auf der Haut versiegelt zu werden. Augenärztlich getestet und auch für Kontaktlinsenträger geeignet.

Tuch ab

Ein Abschminktuch entfernt das, was man sieht, und hinterlässt das, was man nicht sieht. Für die Haut zählt nicht nur, was abgeht, sondern auch, was bleibt. Und für die Umwelt zählt, was nach dem einen Wisch im Müll oder im Abwasser landet.

Sie müssen Ihre Gewohnheiten nicht über Nacht umstellen. Aber tauschen Sie das Tuch vielleicht für den Anfang gegen ein Mizellenwasser auf dem Pad oder ein Reinigungsöl, das Sie abspülen. Ihre Haut merkt den Unterschied schneller, als Sie denken…und die Gewässer dieser Welt danken es Ihnen auch.

Ihr Mario Goldinger

Welche Reinigung passt wirklich zu Ihrer Haut? Das finden wir gemeinsam heraus. Ich freue mich auf Sie in meinem Salon in 1050 Wien Kontakt

Quellen & Belege

  • Duftstoffe als häufige Kontaktallergene: Europäische Kommission (Fragrance Allergens in Cosmetics), American Academy of Dermatology, Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS).
  • Mechanische Reibung und Reizung der Hautbarriere bei häufiger Tuchanwendung: dermatologische Übersichten (u. a. DermNet).
  • Feuchttücher als dominanter Plastikanteil im Abwasser (59 % nach Masse), Polymer-Zusammensetzung PET/PP/Viskose: Environmental Science: Advances (RSC), 2024/2025.
  • Don-River-Studie Toronto (99 % der Tücher aus Kunststoff, ~51 % Polypropylen, ~48 % Polyester): American Chemical Society, 2026.
  • 50 % der als „flushable“ beworbenen Tücher enthielten Mikroplastik; Anstieg angespülter Tücher in UK um 400 % in einem Jahrzehnt: ScienceDaily / Marine Conservation Society.
  • Sothys Eau Démaquillante Micellaire (parfümfrei, Lotus-Extrakte) und Sothys Organics Huile Démaquillante (Ecocert/Cosmos, vegan, abspülbar), Reinigungsfluid für Augen und Lippen (parfümfrei, Malvenextrakt): Sothys.fr / Sothys.de (Herstellerangaben).