Es gibt Inhaltsstoffe, an denen kommt man in der Beautywelt kaum vorbei. Vitamin C, Hyaluronsäure, Retinol. Sie stehen auf jeder zweiten Verpackung, in jeder zweiten Werbung. Und dann gibt es jene, die in der Branche eher unter Kennerinnen und Kennern weitergereicht werden. Wirkstoffe, die ihren Job leise machen und genau deshalb so beeindrucken. Bernsteinsäure gehört zur zweiten Gruppe. Sie taucht selten in Werbespots auf, aber wer mit ihr arbeitet, vergisst sie nicht mehr.
Ein alter Bekannter mit moderner Herkunft
Der Name geht auf die historische Gewinnung aus fossilem Bernstein zurück, in dem dieser Stoff natürlich vorkommt. Das mag romantisch klingen, hat aber mit der heutigen Realität wenig zu tun. Moderne Bernsteinsäure für die Kosmetik wird nachhaltig über Fermentation aus pflanzlichen Rohstoffen gewonnen, ohne gentechnische Veränderung und in gleichbleibender Qualität. Was auf dem Etikett als Succinic Acid steht, ist also kein Stein aus der Ostsee, sondern ein gut erforschter Wirkstoff aus der Familie der Dicarbonsäuren.
Ein Wirkstoff, den der Körper kennt
Was viele nicht wissen: Bernsteinsäure ist kein Fremdling für unseren Körper. Sie entsteht in jeder einzelnen unserer Zellen als Zwischenstufe im Energiestoffwechsel. Wir produzieren sie also jeden Tag selbst, in beachtlichen Mengen.
Für die Haut hat das einen sehr praktischen Vorteil. Sie reagiert auf einen Stoff, der ihr biologisch vertraut ist, deutlich entspannter als auf manche anderen Wirkstoffe. Verträglichkeitsprobleme sind die absolute Ausnahme, auch bei sensibler Haut.
Was sie auf der Haut kann
Bernsteinsäure ist einer jener seltenen Inhaltsstoffe, die gleichzeitig in mehrere Richtungen arbeiten. Genau das macht sie für anspruchsvolle Hautbilder so wertvoll.
Sie wirkt antimikrobiell. Bernsteinsäure hemmt nachweislich Bakterien, die für Pickel und Mitesser mitverantwortlich sind. Genau das macht sie für unreine und zu Akne neigende Haut so wertvoll.
Sie verfeinert das Hautbild. Linien wirken weicher, Poren treten weniger hervor, Unebenheiten verlieren ihre Schärfe. Es ist ein Effekt, der ein bisschen an einen sanften Weichzeichner erinnert, wie man ihn von Fotofiltern kennt.
Sie reguliert die Talgproduktion. Glänzende Partien beruhigen sich. Die typischen Begleiterscheinungen einer überaktiven Talgdrüse treten in den Hintergrund. Die Haut findet zurück in ihren Rhythmus.
Sie schützt das Kollagen. Untersuchungen zeigen, dass sie Enzyme hemmen kann, die am Abbau von Kollagen beteiligt sind. Kollagen ist jene Faser, die die Haut straff und elastisch hält. Wer sie schützt, schützt die Struktur der Haut.
Sie öffnet die Tür für andere Wirkstoffe. Bernsteinsäure macht die oberste Hornschicht zugänglicher. Pflege, die danach kommt, dringt besser ein und kann tiefer arbeiten.
Sie wehrt Umweltbelastungen ab. Abgase, Staub, Feinstaub – die Haut bekommt jeden Tag einiges ab. Bernsteinsäure hilft, freie Radikale aus diesen Belastungen abzufangen, und stärkt die hauteigene Abwehr.
Wie sich die Anwendung anfühlt
So gut Bernsteinsäure verträglich ist, ein lautloser Wirkstoff ist sie nicht. Beispielsweise angewendet in einem Peeling kann sie im ersten Moment durchaus spürbar sein. Ein leichtes Kribbeln, ein kurzes Jucken, vielleicht ein leichtes Brennen oder eine flüchtige Rötung. Das ist kein Grund zur Sorge. Diese Reaktionen legen sich in der Regel innerhalb weniger Minuten wieder, ohne Spuren zu hinterlassen. Die Haut zeigt damit nichts anderes, als dass der Wirkstoff angekommen ist und beginnt zu arbeiten. Ein kurzes Hallo der Haut, mehr nicht. Danach entfaltet sich die ruhige, gleichmäßige Wirkung, für die Bernsteinsäure geschätzt wird.
Wo ich sie in meinem Salon einsetze
In meiner täglichen Arbeit setze ich Bernsteinsäure dort ein, wo sie am meisten zu bieten hat: bei unreiner und zu Akne neigender Haut, aber auch dort, wo das Hautbild ruhiger und klarer werden soll. Zum Beispiel arbeite ich mit zwei speziellen Anti-Akne-Ampullen von Sothys, die Bernsteinsäure als zentralen Wirkstoff enthalten. Die Pro-Dermobooster Ampulle Klärung und Pro-Dermobooster Ampulle Korrektur. Beide nutzen die Stärken der Bernsteinsäure gezielt für Hautbilder, bei denen Unreinheiten und Empfindlichkeit oft Hand in Hand gehen. Welche der beiden passt, hängt vom konkreten Hautbild und seiner Geschichte ab. Genau das ist es, was eine Behandlung im Salon von einer Pflege aus dem Regal unterscheidet.
Leise, aber wirkungsvoll
Bernsteinsäure ist kein Inhaltsstoff, der nach Aufmerksamkeit verlangt. Sie liefert, was sie verspricht: antimikrobielle Wirkung, ausgleichende Talgregulation, Kollagenschutz, antioxidative Eigenschaften und dieser feine Effekt, der ein Hautbild auf eine Weise verändert, die man eher fühlt als beschreibt. Wer ihr begegnet, vergisst sie nicht so schnell. Genau solche Wirkstoffe interessieren mich am meisten.
Ihr Mario Goldinger




