Spirulina. Für die meisten ist das grünes Pulver im Smoothie. Gesund, irgendwie. Gut für den Körper, hat man gehört. Aber Spirulina kann wesentlich mehr als das. Diese Mikroalge gehört zu den faszinierendsten Wirkstoffen, die ich in über 20 Jahren Hautpflege kennengelernt habe. Besonders für reife Haut. Und das ist keine Behauptung aus dem Bauch heraus: Eine klinische Studie der Universität São Paulo hat untersucht, wie eine Formulierung mit Spirulina-Extrakt auf jüngere und reife Haut wirkt.
Warum reife Haut etwas Besonderes braucht
Mit den Jahren verändert sich die Haut auf eine Weise, die wir nicht immer sofort verstehen. Sie wirkt trockener, obwohl wir mehr Pflege auftragen. Sie kippt schneller aus dem Gleichgewicht, obwohl wir uns vermeintlich richtig um sie kümmern. Der Grund liegt nicht nur an der Oberfläche.
Eine zentrale Rolle spielt dabei ein dynamischer Übergangsbereich in der Epidermis: die Reinsche Barriere. Sie liegt zwischen Körnerschicht und Hornschicht und erfüllt drei essenzielle Aufgaben. Sie schützt die Haut vor unkontrolliertem Feuchtigkeitsverlust. Sie hält Krankheitserreger, Schadstoffe und Allergene draußen. Und sie besteht aus essenziellen Hornschichtlipiden, die wie eine präzise angeordnete Schutzschicht arbeiten.
Wird diese Barriere schwächer, kann die Haut Wasser nicht mehr so gut halten. Sie verliert Feuchtigkeit, bevor wir sie überhaupt nachliefern können. Genau hier wird Spirulina interessant.
Reife Haut kann wieder mehr Feuchtigkeit speichern
Nach 28 Tagen Anwendung einer Formulierung mit Spirulina-Extrakt stieg der Wassergehalt im Stratum corneum, also der obersten Hornschicht, in beiden untersuchten Altersgruppen signifikant an. Besonders ausgeprägt war dieser Effekt bei der Gruppe mit reifer Haut zwischen 40 und 65 Jahren.
Reife Haut konnte nach der Anwendung also mehr Feuchtigkeit speichern als zuvor. Dieser Effekt wird mit der reichhaltigen Zusammensetzung des Spirulina-Extrakts in Verbindung gebracht, darunter Polysaccharide, Proteine, Vitamine und Mineralien.
Das Resultat zeigte sich nicht nur in Messwerten. Durch die verbesserte Hydratation wurde auch die Rauheit der Hautoberfläche reduziert. Das Mikrorelief verbesserte sich, das Hautbild wirkte glatter.
Eine stärkere Barriere, ein geschützteres Hautbild
Ein weiterer zentraler Wert ist der transepidermale Wasserverlust. Gemeint ist damit der Wasserverlust, der über die Hautoberfläche entsteht. Die Spirulina-haltige Formulierung verringerte diesen Wasserverlust in beiden Altersgruppen; bei reifer Haut war dieser Effekt besonders deutlich.
Das ist relevant, weil ein geringerer transepidermaler Wasserverlust auf eine besser funktionierende Hautbarriere hinweist. Für reife Haut ist das ein entscheidender Punkt, denn mit zunehmendem Alter verliert die Haut häufig an Fähigkeit, Feuchtigkeit stabil zu halten.
Polysaccharide und Aminosäuren im Spirulina-Extrakt können dazu beitragen, den Hydrolipidmantel zu unterstützen. Dieser feine Schutzfilm spielt eine wichtige Rolle für die Barrierefunktion der Haut und hilft, Feuchtigkeit besser zu bewahren.
Talg, der unter Kontrolle bleibt
Ein Ergebnis hat mich besonders aufhorchen lassen: Nur die Formulierung mit Spirulina-Extrakt konnte den Sebumgehalt der Haut signifikant reduzieren. Die Kontrollformulierung ohne Spirulina zeigte diesen Effekt nicht.
Warum das relevant ist? Ein ausgewogener Fettgehalt ist wichtig für die Stabilität der Barrierefunktion. Zu viel Talg kann das Hautbild unausgeglichen wirken lassen, zu wenig kann die Schutzfunktion beeinträchtigen. Entscheidend ist nicht maximale Trockenheit, sondern Balance.
Laut der Studie liegt ein möglicher Zusammenhang in Fettsäuren wie Gamma-Linolensäure. Diese können helfen, das Enzym 5-α-Reduktase zu hemmen, das mit der Talgproduktion verbunden ist. Genau dadurch kann Spirulina-Extrakt dazu beitragen, die Hautöligkeit zu kontrollieren und den Hydrolipidmantel im Gleichgewicht zu halten.
Eine Haut, die sich sichtbar strukturierter zeigt
Wirklich interessant wird es, wenn wir auf die zelluläre Ebene schauen. Hier wurde deutlich tiefer geblickt als in vielen klassischen Wirksamkeitsuntersuchungen, unter anderem mit konfokaler Lasermikroskopie.
Nach der Anwendung zeigten sich die Keratinozyten, also die Hautzellen, gleichmäßiger verteilt und homogener. Das weist auf eine verbesserte Struktur der Epidermis hin.
Als möglicher Wirkmechanismus wird beschrieben, dass Spirulina-Extrakt Prozesse der Zellerneuerung unterstützen kann. Dabei kann die Zellteilung in der Basalschicht angeregt werden, neue Zellen wandern an die Oberfläche, und der Verhornungsprozess wird unterstützt. In diesem Zusammenhang spielt auch die Bildung von Lamellarkörperchen eine Rolle, die für die Entstehung des Hydrolipidfilms wichtig sind.
Spirulina-Extrakt wirkt damit nicht nur über Feuchtigkeit an der Hautoberfläche. Die untersuchten Effekte betreffen auch Parameter der Hautbarriere, der Hautstruktur und der Talgregulation.
Warum Spirulina in meiner Maske steckt
Wer meinen Blogpost über die Entstehung der THE FOUNTAIN OF YOUTH MASK gelesen hat, kennt die Geschichte. Ich habe jahrelang nach der perfekten plastifizierenden Maske gesucht, nichts gefunden und schließlich meine eigene entwickelt. Die Spirulina-Alge ist eine der drei Algen in meiner Rezeptur, und sie ist nicht zufällig dabei.
Genau diese Eigenschaften machen Spirulina für mich so interessant: bessere Hydratation, Unterstützung der Barrierefunktion, Kontrolle des Sebumgehalts und Verbesserung des Hautmikroreliefs. Besonders spannend ist dabei, dass diese Effekte sowohl bei jüngerer als auch bei reifer Haut beobachtet wurden, bei reifer Haut aber in einigen Bereichen besonders deutlich ausfielen.
In Kombination mit den anderen beiden Algen ist Spirulina für mich deshalb ein zentraler Bestandteil meiner Maske. Nicht, weil sie ein Modewirkstoff ist. Sondern weil sie in der Hautpflege mehrere Ebenen gleichzeitig berührt: Feuchtigkeit, Barriere, Struktur und Balance.
3 Milliarden Jahre Evolution
Spirulina existiert seit über drei Milliarden Jahren auf diesem Planeten. Und vielleicht liegt genau darin ein Teil ihrer Faszination. Diese Mikroalge bringt eine außergewöhnlich vielseitige Zusammensetzung mit: Polysaccharide, Proteine, Vitamine, Mineralien und Fettsäuren.
In der Hautpflege ist Spirulina-Extrakt deshalb ein multifunktionaler Inhaltsstoff. Er kann die Feuchtigkeitsversorgung verbessern, die Barrierefunktion unterstützen und die Hautöligkeit regulieren. Für junge Haut ist das interessant. Für reife Haut ist es besonders relevant.
Feuchtigkeit spenden, ohne einfach nur reichhaltig zu sein. Talg regulieren, ohne die Haut auszutrocknen. Die Barriere unterstützen, ohne sie zu belasten. Genau diese Kombination macht Spirulina für meine Arbeit so wertvoll.
Wer einmal erlebt hat, was diese Alge auf der Haut bewirken kann, versteht, warum sie aus meinem Alltag nicht mehr wegzudenken ist.
Wissenschaftliche Quelle:
Delsin SD, Mercurio DG, Fossa MM, Maia Campos PMBG (2015): Clinical Efficacy of Dermocosmetic Formulations Containing Spirulina Extract on Young and Mature Skin: Effects on the Skin Hydrolipidic Barrier and Structural Properties. Clinical Pharmacology & Biopharmaceutics 4:144.
Sie möchten die Wirkung der Spirulina-Alge selbst erleben? Dann buchen Sie einen Termin in meinem Salon und wir schauen zusammen, ob eine Behandlung damit auch für Sie geeignet ist.
Ihr Mario Goldinger





