Gesicht gereinigt, Creme drauf. Wozu ein Tonik?
Nach der Reinigung fühlt sich die Haut sauber an, und die Creme steht meistens schon bereit. Dass dazwischen noch ein Produkt kommen soll, das aussieht wie Wasser, sich anfühlt wie Wasser und nach wenigen Sekunden wieder verschwunden ist, leuchtet vielen nicht ein. Also wird das Gesichtswasser einfach weggelassen.
Dabei übernimmt ein gutes Tonik gleich mehrere Aufgaben. Es schließt die Reinigung ab, gibt der Haut ihre erste Feuchtigkeit und bereitet sie auf alle Produkte vor, die danach folgen. Für all das benötigt man kaum eine Minute.
Das Tonik vollendet die Reinigung
Wer meinen Beitrag „Wasser wäscht nicht“ gelesen hat, weiß bereits, dass Wasser allein die Haut nicht sauber macht. Um Talg, Make-up und Schmutz zuverlässig zu lösen, benötigt man ein Reinigungsprodukt mit Tensiden.
Mit dem Abspülen ist die Reinigung allerdings noch nicht ganz abgeschlossen. Auch wenn die Haut danach sauber aussieht, bleiben häufig feine Reste zurück, entweder vom Reinigungsprodukt selbst siehe Beitrag über Abschminktücher, oder von gelösten Verunreinigungen, die sich nicht vollständig abwaschen ließen. Mit freiem Auge sind sie kaum zu erkennen.
Das Tonik nimmt diese letzten Rückstände von der Hautoberfläche auf und führt zu Ende, was das Reinigungsprodukt begonnen hat. Für mich gehören die beiden deshalb untrennbar zusammen. Das eine löst und entfernt Schmutz, Talg und Make-up, das andere vervollständigt die Reinigung und beginnt bereits mit der Pflege.
Was das Leitungswasser auf der Haut hinterlässt
Ein weiterer Grund, warum ich nach der Reinigung nicht sofort zur Creme greife, liegt im Leitungswasser selbst.
Unser Leitungswasser ist kein reines H₂O. Je nach Region enthält es mehr oder weniger Kalk, also Calcium und Magnesium, dazu weitere gelöste Mineralstoffe und mitunter Chlor, das zur Desinfektion eingesetzt wird. Zum Trinken ist das völlig in Ordnung. Beim Abspülen des Gesichts bedeutet es aber, dass wir nicht nur etwas abwaschen, sondern auch etwas auf der Haut zurücklassen.
Hartes Wasser kann außerdem dazu führen, dass Reste der Reinigung stärker auf der Haut haften bleiben. Menschen mit empfindlicher Haut kennen das Gefühl danach gut, weil die Haut spannt, leicht brennt oder feine Rötungen zeigt. Solche Rückstände können die Hautbarriere auf Dauer belasten.
Ich halte mich daher an einen einfachen Grundsatz. Das Letzte, was die Haut nach der Reinigung berührt, sollte ein Produkt sein, das für sie entwickelt wurde, und nicht das Wasser aus der Leitung. Das Tonik nimmt auf, was nach dem Abspülen noch an der Oberfläche liegt, und die Pflege beginnt mit einer Flüssigkeit, die auf die Haut abgestimmt ist.
Auch der pH-Wert spielt dabei eine Rolle. Die Hautoberfläche ist von Natur aus leicht sauer, und dieser sogenannte Säureschutzmantel ist ein wichtiger Teil ihrer Abwehr. Wasser und manche Reinigungsprodukte verschieben ihn vorübergehend. Ein gutes Tonik hilft der Haut, rasch wieder in ihr gewohntes Milieu zurückzufinden.
Die erste Feuchtigkeit für Ihre Haut
Das Reinigungsprodukt wird wieder abgespült, das Gesichtswasser bleibt auf der Haut. Damit ist das Tonik das erste Leave-on-Produkt in Ihrer Pflege und gleichzeitig jenes, das der Haut ihre erste Feuchtigkeit zuführt. Dieser Umstand wird meiner Erfahrung nach oft unterschätzt.
Ein feuchtigkeitsspendendes Tonik besteht nämlich nicht nur aus Wasser. Es enthält Inhaltsstoffe wie Glycerin oder Hyaluronsäure, die Feuchtigkeit binden und in der äußersten Hautschicht halten. Reines Wasser verdunstet nach dem Abspülen wieder und nimmt dabei gerne noch etwas Feuchtigkeit aus der Haut mit. Ein gut formuliertes Gesichtswasser leistet dagegen einen aktiven Beitrag zur Hydratation. Die Hautoberfläche wird glatter und geschmeidiger, und das unangenehme Spannen nach der Reinigung lässt nach.
Das Tonik ebnet den Weg für alle weiteren Produkte
Die äußerste Hautschicht, die Hornschicht, bildet unsere Schutzbarriere. Wie viel Feuchtigkeit sie enthält, beeinflusst auch, wie gut die Haut die nachfolgenden Pflegeprodukte aufnehmen kann.
Ich vergleiche das gerne mit trockener Erde im Garten. Gießt man sie, perlt das Wasser zunächst an der Oberfläche ab. Ist die Erde bereits leicht feucht, zieht es sofort ein. Bei der Haut verhält es sich ähnlich. Eine gut durchfeuchtete Hornschicht ist aufnahmebereiter, sodass sich Serum und Creme besser verteilen und ihre Wirkung entfalten können. Wie gut ein Wirkstoff tatsächlich aufgenommen wird, hängt natürlich auch von ihm selbst und seiner Formulierung ab. Die Voraussetzungen dafür schafft aber das Tonik.
Es ersetzt weder Serum noch Creme, es bereitet ihnen den Boden. Reinigung, Tonik, Serum und Creme haben jeweils ihre eigene Aufgabe und ergeben erst gemeinsam eine vollständige Pflege.
Die Sache mit dem straffenden Gesichtswasser
Als ich mit 15 meine Lehre begann, wurde mir beigebracht, dass ein Tonik so heißt, weil es die Haut tonisiert und damit strafft. Um den sogenannten Hauttonus zu überprüfen, hob man die Wange leicht an und beobachtete, wie sich das Gewebe dabei verhielt. Ich habe das damals sehr gewissenhaft gemacht und war überzeugt, damit etwas Wichtiges zu messen.
Heute sehe ich das natürlich anders. Das Anheben der Wange verrät etwas über das Gewebe darunter, sagt aber nichts über die Wirkung eines Gesichtswassers aus. Kein Tonik strafft die Haut dauerhaft. Manche Inhaltsstoffe erzeugen zwar kurz ein angenehmes Spannungsgefühl, das ist jedoch keine echte Verbesserung der Elastizität.
Warum das Gesichtswasser seinen festen Platz verdient
Wozu also noch ein Tonik nach der Reinigung? Es vollendet die Reinigung, nimmt die letzten Rückstände von der Haut, gibt ihr die erste Feuchtigkeit und ebnet den Weg für alle Produkte, die danach folgen.
Seine Stärke liegt in diesen ganz konkreten Aufgaben und nicht in der Straffung, die man ihm früher zugeschrieben hat. Der Schritt kostet nicht viel Zeit und entscheidet trotzdem darüber, ob Ihre Pflege auf einer gut vorbereiteten Haut landet.
Meine Empfehlung lautet deshalb, das Gesichtswasser morgens und abends fest in Ihre Routine einzubauen.
So gehört das Tonik in Ihre tägliche Pflege
Morgens wie abends sieht die Routine folgendermaßen aus:
- Das Reinigungsprodukt auftragen, Talg, Make-up und Verunreinigungen sowie Toxine die die Haut auch in der Nacht ausscheidet lösen und anschließend gründlich mit lauwarmem Wasser abspülen.
- Das Gesichtswasser auftragen, damit es letzte Rückstände entfernt, die erste Feuchtigkeit spendet und den Weg für die Pflege ebnet.
- Serum und Pflege auf die vorbereitete Haut auftragen und morgens mit einem geeigneten Sonnenschutz abschließen.
Das Tonik ist dabei keine gelegentliche Zusatzbehandlung, es gehört fest zur täglichen Routine. Welches Gesichtswasser zu Ihrer Haut passt und wie Sie es am besten anwenden, hängt von Ihrem Hautbild ab. Eine empfindliche Haut braucht etwas anderes als eine unreine, und das bespreche ich gerne persönlich mit Ihnen.
Sie möchten wissen, welches Tonik zu Ihrer Haut am besten passt? Ich freue mich auf Sie in meinem Schönheitssalon in Wien Margareten. [LINK zum Termin]
Ihr Mario Goldinger





