Der erste Blick ist nur der Anfang

Professionelle Hautanalyse im Schönheitssalon mit Handspiegel

Wenn eine neue Kundin oder ein neuer Kunde zu mir kommt, sehe ich meistens schon sehr schnell einiges. Wie ist die Haut aufgebaut? Wirkt sie trocken oder fettig, empfindlich oder robust? Gibt es Rötungen, Pigmentierungen, Unreinheiten oder auffällige Veränderungen? Wie gleichmäßig ist die Struktur?

Nach vielen Jahren im Beruf entwickelt man dafür einen Blick. Aber die fachliche Aufgabe besteht nicht darin, jede Beobachtung sofort auszusprechen. Zuerst gilt es zu unterscheiden, was tatsächlich relevant ist und wie damit sinnvoll umgegangen wird.

Sehen ist das eine. Damit richtig umzugehen das andere.

Eine Haut kann vieles zeigen. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass die Person vor mir über alles sprechen möchte, was ich wahrnehme.

Vielleicht gibt es eine Stelle, die sie seit Jahren stört und die sie jeden Morgen sorgfältig überschminkt. Vielleicht ist etwas, das mir sofort auffällt, für sie überhaupt kein Thema. Oder sie kommt zu mir, weil sie einfach eine gute Behandlung und zwei entspannte Stunden möchte.

Wenn ich in so einer Situation beim ersten Termin anfange, eine Mängelliste vorzulesen, habe ich zwar meine Beobachtungen ausgesprochen, aber noch lange keine gute Arbeit geleistet.

Gerade bei neuen Kundinnen und Kunden gehe ich deshalb einen anderen Weg. Ich höre zunächst zu. Im Gespräch bekomme ich ein Gefühl dafür, was der Person wichtig ist, wie sie ihre Haut selbst wahrnimmt und welche Erwartungen sie an die Behandlung hat.

Dabei beginnt meine Einschätzung natürlich nicht erst mit dem Gespräch. Vieles sehe ich bereits an der Haut selbst und kann durch meine Erfahrung oft gut einordnen, was zu ihrem aktuellen Zustand beigetragen haben könnte. Was ich zusätzlich erfahre, kann diese Einschätzung bestätigen, ergänzen oder auch einmal verändern.

Die eigene Wahrnehmung stimmt nicht immer mit dem überein, was die Haut braucht

Viele Menschen kommen mit einer ziemlich klaren Vorstellung zu mir.

„Meine Haut ist zu trocken.“
„Ich habe große Poren.“
„Ich möchte etwas gegen diese Falten machen.“
„Meine Haut ist fettig.“

Diese Wahrnehmung nehme ich ernst. Schließlich lebt die Person jeden Tag mit ihrer Haut und kennt sie besser als jeder andere. Trotzdem muss der Wunsch, mit dem jemand zu mir kommt, nicht automatisch die erste Priorität für die Behandlung sein.

Es kann sein, dass jemand ein bestimmtes Merkmal verändern möchte, während mir bei der Hautanalyse etwas anderes wesentlich wichtiger erscheint. Dann besteht meine Aufgabe nicht darin, den ursprünglichen Wunsch einfach abzuarbeiten. Ich muss herausfinden, was die Haut im Moment tatsächlich benötigt und wie sich das mit den Erwartungen der Kundin oder des Kunden sinnvoll verbinden lässt.

Das verlangt manchmal etwas Fingerspitzengefühl. Niemand möchte hören: „Sie liegen mit Ihrer Haut völlig falsch.“ Das ist meistens auch gar nicht der Punkt, sondern es geht darum, zwei Perspektiven zusammenzubringen.

Die Hautoberfläche ist nur ein Teil des Gesamtbildes

Die Haut ist unser größtes Schutzorgan. Sie bildet die Grenze zwischen unserem Körper und der Umwelt und übernimmt mehr Aufgaben als nur gut auszusehen. Dazu gehören unter anderem Schutz, Temperaturregulation, sensorische Funktionen und die Beteiligung an verschiedenen Stoffwechsel- und Immunprozessen.

Die Haut selbst verrät mir bereits sehr viel. Bestimmte Zustände und Veränderungen ergeben ein Bild, das sich mit entsprechender Erfahrung oft gut einordnen lässt. Für eine individuelle Behandlung interessiert mich trotzdem auch, was rundherum passiert.

Bestehen bekannte Allergien oder Unverträglichkeiten? Werden Medikamente eingenommen? Wird geraucht? Gibt es derzeit besonders viel Stress? Haben sich Ernährung oder Lebensgewohnheiten verändert?

Nicht, weil sich daraus am Kosmetiktisch eine medizinische Diagnose stellen ließe. Das kann und will ich nicht. Aber Zeitpunkte und Zusammenhänge können wichtige Informationen liefern. Wenn beispielsweise eine Hautveränderung ungefähr zu dem Zeitpunkt aufgetreten ist, an dem sich etwas anderes verändert hat, gehört diese Information für mich zum Gesamtbild.

Das bedeutet noch nicht, dass das eine das andere verursacht hat. Es ist aber ein Grund, genauer hinzuschauen.

Dass solche Faktoren grundsätzlich relevant sein können, ist gut untersucht. Hautalterung etwa entsteht aus dem Zusammenspiel intrinsischer, also biologisch und genetisch bestimmter Prozesse, und extrinsischer Einflüsse. Zu den wissenschaftlich beschriebenen äußeren Einflussfaktoren gehören unter anderem UV-Strahlung, Rauchen, Luftverschmutzung und Ernährung.

Auch psychischer Stress kann sich auf Funktionen der Haut auswirken. Untersuchungen zeigen unter anderem Zusammenhänge mit der Hautbarriere, Entzündungsprozessen und verzögerter Regeneration.

Medikamente gehören ebenfalls in dieses Bild. Arzneimittel können unterschiedliche Reaktionen an der Haut hervorrufen, manche Wirkstoffe können beispielsweise auch die Lichtempfindlichkeit erhöhen.

Hauttyp und Hautzustand sind zwei verschiedene Dinge

Hauttyp und Hautzustand werden im Alltag schnell in einen Topf geworfen, beschreiben aber nicht dasselbe.

Grundlegende Eigenschaften und Tendenzen einer Haut bleiben vergleichsweise stabil. Ihr aktueller Zustand kann dagegen durch Pflege, Jahreszeit, Umweltbedingungen, Belastungen oder andere Einflüsse deutlich anders aussehen als noch einige Monate zuvor.

Diese Unterscheidung ist mehr als eine Frage der Begrifflichkeit. Wer eine Haut nur einmal einer Kategorie zuordnet, übersieht leicht das, was sie im jeweiligen Moment zeigt.

Gerade bei Kundinnen und Kunden, die ich schon lange kenne, ist deshalb auch der Vergleich interessant. Was ist neu? Was hat sich verstärkt, was ist zurückgegangen und was ist seit längerer Zeit stabil?

So wird nicht nur der aktuelle Zustand, sondern auch die Entwicklung der Haut selbst zu einer wichtigen Information.

Das Alter im Pass und das Alter der Haut

Auch das Alter einer Person erzählt mir nicht automatisch, wie ihre Haut aussieht.

Zwei Menschen desselben Alters können ein deutlich unterschiedliches Hautbild haben. Das ist wenig überraschend, wenn man bedenkt, wie viele Faktoren über Jahre auf die Haut einwirken.

Die Forschung unterscheidet deshalb zwischen intrinsischer, also chronologisch beziehungsweise genetisch geprägter Hautalterung, und zusätzlichen äußeren Einflüssen. Sonnenexposition und Rauchen gehören zu den Faktoren, für die ein Zusammenhang mit sichtbaren Zeichen der Hautalterung besonders gut beschrieben ist.

Das finde ich auch in meiner täglichen Arbeit interessant. Passt das Hautbild ungefähr zum chronologischen Alter oder wirkt die Haut deutlich jünger oder älter?

Auch daraus mache ich keine Zahl und schon gar kein Urteil. Aber es ist eine weitere Information, die in meine Betrachtung einfließt.

Jede Haut braucht ihren eigenen Weg

Individualität bedeutet dabei nicht, für jede Haut möglichst viele Sonderlösungen zu erfinden. Entscheidend ist, aus allen vorhandenen Informationen die richtigen Prioritäten abzuleiten.

Zwei Menschen können auf den ersten Blick ein ähnliches Hautbild haben und trotzdem an einem anderen Punkt stehen. Vorgeschichte, Verträglichkeiten, bisherige Pflege, Erwartungen und das, was sich im Hautbild gerade besonders deutlich zeigt, können den Schwerpunkt der Behandlung verschieben.

Manches lässt sich gleichzeitig angehen, anderes sinnvoller nacheinander. Eine Behandlung muss nicht möglichst viele Themen auf einmal bearbeiten, sondern die richtigen zur richtigen Zeit.

Dazu gehört auch, Behandlung und Pflege zu Hause nicht getrennt voneinander zu betrachten. Beides sollte zusammenpassen und sich gegenseitig unterstützen.

Genau darin liegt für mich der Unterschied zwischen einer individuell abgestimmten Behandlung und einer Abfolge, die bei jeder Haut gleich aussieht.

Wie individuell sich Pflege tatsächlich auf eine Haut abstimmen lässt, beschäftigt mich gerade besonders. Und ich glaube, dazu gibt es bald noch einiges zu erzählen.

Es gibt auch eine Grenze

Bei aller Erfahrung muss klar sein, wo kosmetische Hautanalyse endet.

Ich kann Haut betrachten, Veränderungen wahrnehmen, nachfragen und meine Behandlung darauf abstimmen. Was ich nicht mache, ist aus einem sichtbaren Merkmal eine Erkrankung abzuleiten oder eine medizinische Diagnose zu stellen.

Wenn mir etwas auffällt, das medizinisch abgeklärt werden sollte, gehört es zu professioneller Arbeit, das auch zu sagen.

Für mich macht gerade diese Grenze eine gute Hautanalyse aus. Erfahrung bedeutet nicht, aus jedem Zeichen möglichst viel herauszulesen. Erfahrung bedeutet auch zu wissen, wann die eigene Einschätzung endet.

Entscheidend ist nicht, möglichst viel zu sehen

Am Anfang habe ich geschrieben, dass mir bei einer neuen Kundin oder einem neuen Kunden sehr schnell einiges auffällt.

Nach vielen Jahren Berufserfahrung ist das wenig überraschend. Entscheidend ist aber nicht die Anzahl der Beobachtungen, sondern ihre Gewichtung. Manche sind für die aktuelle Behandlung wichtig, andere behalte ich zunächst im Hinterkopf und wieder andere gehören nicht in meinen kosmetischen Aufgabenbereich.

Eine gute Hautanalyse ist deshalb keine Checkliste, die Punkt für Punkt abgearbeitet wird. Sie ist die Grundlage dafür, Prioritäten zu setzen: Was braucht Aufmerksamkeit, was sollte weiter beobachtet werden und worauf richte ich die Behandlung heute aus?

Sie möchten Ihre Haut professionell analysieren lassen? Ich freue mich auf Sie in meinem Schönheitssalon in Wien Margareten – LINK ZUR TERMINBUCHUNG.

Ihr Mario Goldinger

Quellen

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