Stellen Sie sich vor, Sie tauchen vor einer felsigen Küste in kaltes Wasser. Unter Ihnen ragen meterhohe Algen empor und wiegen sich in der Strömung. Dazwischen leben Fische, Seeigel und unzählige andere Meeresbewohner. Gemeinsam bilden sie einen Unterwasserwald. Weltweit leben mehr als 750 Millionen Menschen im Umkreis eines solchen Waldes, obwohl viele von ihnen ihn noch nie zu Gesicht bekommen haben.
Aus diesen Unterwasserwäldern stammt eine Alge, mit der ich besonders gerne arbeite. Die Kelp Alge ist ein zentraler Bestandteil meiner „The Fountain of Youth Mask„. Schon beim Anrühren und Auftragen zeigt sich, weshalb ich sie so schätze. Ihre Verarbeitung und das Hautgefühl nach der Behandlung begeistern mich jedes Mal aufs Neue.
Was ist die Kelp Alge eigentlich?
Kelp Alge ist eine Sammelbezeichnung für große Braunalgen, überwiegend aus der Ordnung der Laminariales. Botanisch gesehen sind Algen keine Pflanzen, weshalb sie weder echte Wurzeln noch Stämme oder Blätter besitzen, auch wenn sie auf den ersten Blick den Eindruck vermitteln. Viele Arten verankern sich mit einem Haftorgan auf felsigem Untergrund und schicken von dort flexible Stiele und blattähnliche Flächen dem Licht entgegen. Manche werden dabei über 30 Meter lang.
Wachsen viele Kelp Algen dicht nebeneinander, entstehen ganze Wälder. Sie fühlen sich vor allem in kühlen bis kalten, nährstoffreichen Küstengewässern wohl. Man begegnet ihnen an den Küsten Nord- und Südamerikas, im Norden Europas, vor Südafrika, Australien und Neuseeland sowie in Teilen Ostasiens. Sie bieten zahlreichen Arten Nahrung, Schutz und einen Platz zum Aufwachsen. Unter ein paar sichtbaren Algenspitzen kann sich daher ein gewaltiger Lebensraum verbergen.
Für meine kosmetische Arbeit verwende ich Laminaria digitata, eine Kelp Algenart aus dem Nordatlantik, die als sehr fein vermahlenes Pulver zu mir kommt. Aus der großen, festen Alge entsteht auf diese Weise ein Rohstoff, der sich gleichmäßig anrühren und präzise auf der Haut verteilen lässt. Der Weg vom Meereswald bis in meine Behandlungsschale fasziniert mich bis heute.
Kelp Alge in der Hautpflege: drei Hauptwirkstoffe und eine ganze Menge mehr
Von den vielen Bestandteilen der Kelp Alge spielen drei in der Hautpflege die Hauptrolle. Fucoidan, Alginate und Laminarin gehören alle zu den Polysacchariden der Braunalgen. Ihre Konzentration kann je nach Art, Jahreszeit, Standort und Verarbeitung variieren.
Fucoidan ist ein sulfatiertes Polysaccharid und kommt fast ausschließlich in Braunalgen vor. Seine antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften helfen dabei, beanspruchte und gereizte Haut zu beruhigen, oxidativem Stress entgegenzuwirken und ein ausgeglicheneres Hautbild zu fördern.
Alginate sind Salze der Alginsäure und ein wichtiger Bestandteil der Zellwände von Braunalgen. Sie nehmen viel Wasser auf und verleihen Flüssigkeiten eine glatte, puddingähnliche Konsistenz.
Laminarin gehört zu den Beta-Glucanen und dient der Kelp Alge als Speicherstoff. Auch dieser Wirkstoff wirkt antioxidativ und hautberuhigend. Er ergänzt Fucoidan und Alginate und tut vor allem empfindlicher, beanspruchter oder feuchtigkeitsarmer Haut gut.
Neben diesen drei Hauptwirkstoffen bringt Laminaria digitata noch weitere Polysaccharide, Mannitol, Polyphenole, Proteine und Aminosäuren mit. Hinzu kommen Mineralstoffe und Spurenelemente wie Jod, Magnesium, Kalzium und Eisen. Ich schätze an der Kelp Alge genau diese natürliche Vielfalt, denn ihre Pflegewirkung beruht nicht auf einem einzelnen Stoff, sondern auf einem breiten Spektrum verschiedener Bestandteile.
Was ich an der Kelp Alge in der Anwendung liebe
Bei der Entwicklung meiner „The Fountain of Youth Mask“ habe ich drei Algen mit unterschiedlichen Eigenschaften kombiniert. Die Kelp Alge war von Anfang an gesetzt. Spirulina und eine weitere Braunalge aus mittelwarmen Gewässern ergänzen sie, doch die Kelp Alge prägt maßgeblich, wie sich die frisch angerührte Masse verarbeiten lässt. Ohne sie hätte die Rezeptur schlicht nicht dieselben Anwendungseigenschaften.
Wie wichtig die Kelp Alge in der Anwendung ist, spüre ich schon beim Anrühren. Das feine Pulver verbindet sich mit der Flüssigkeit zu einer glatten, geschmeidigen Masse. Sie lässt sich gleichmäßig auftragen und schmiegt sich den Gesichtskonturen an. Während der Behandlung wird sie zunehmend fester, bis sie sich am Ende als geschlossener Film in einem Stück abnehmen lässt. Diese plastifizierende Wirkung gehört für mich ebenso zur Behandlung wie das Hautgefühl danach.
Vor jeder Behandlung beurteile ich den aktuellen Hautzustand und wähle darauf aufbauend die weiteren Pflegeschritte aus. Der geschlossene Film hält die zuvor aufgetragenen Produkte während der Einwirkzeit eng an der Haut und verringert gleichzeitig die Verdunstung von Feuchtigkeit. Die Algenmaske ist deshalb fester Bestandteil meines Signature Treatments und kommt auch bei anderen Behandlungen gezielt zum Einsatz.
Beim Abnehmen der Maske sehe ich, wie die drei Algen in der Behandlung zusammenspielen. Meine Kundinnen und Kunden spüren das Ergebnis unmittelbar auf der Haut. Sie fühlt sich gut durchfeuchtet, glatt und angenehm weich an und wirkt häufig ruhiger und frischer. Bei feuchtigkeitsarmer, gereizter oder anspruchsvoller Haut schätze ich dieses Ergebnis besonders, ebenso als beruhigende Pflege nach intensiveren Behandlungsschritten. Welche Produkte und Schritte zum Einsatz kommen, entscheide ich immer auf Basis einer aktuellen Hautdiagnose, weil bei mir kein Hautzustand nach Schema F behandelt wird.
Die Rezeptur kommt ohne Konservierungsstoffe, Farbstoffe, Duftstoffe, ätherische Öle, Mikroplastik und künstliche Weichmacher aus. Dadurch kann ich sie so einsetzen, wie ich es bei ihrer Entwicklung geplant habe, auch rund um den Augenbereich und bei sehr unterschiedlichen Hautzuständen. Die genaue Konzentration der Algen bleibt mein Geheimnis. Meine Begeisterung für die Kelp Alge ist dagegen offensichtlich, denn auf sie möchte ich in dieser Rezeptur unter keinen Umständen mehr verzichten.
Die Kelp Alge auf dem Teller
Einige Kelp Algenarten werden seit Jahrhunderten gegessen. In Japan kennt man sie vor allem als Kombu, in Korea als Dasima, in China als Haidai. Sie verleihen Brühen einen kräftigen Umami-Geschmack und finden außerdem in Suppen, Salaten und Eintöpfen ihren Platz. Wer schon einmal eine Miso-Suppe gelöffelt hat, ist der Kelp Alge mit ziemlicher Sicherheit längst begegnet, ob bewusst oder nicht.
Kelp Algen enthalten verschiedene Mineralstoffe und können besonders viel Jod liefern. Der Gehalt schwankt allerdings stark zwischen Arten, Anbaugebieten und Verarbeitungsformen. Bei jodreichen Meeresalgen kommt es daher auf die Menge an, denn mehr ist auch hier nicht automatisch besser.
Mein fein vermahlenes Pulver gehört selbstverständlich nicht in die Suppe. Mich fasziniert dennoch, dass dieselbe Algenfamilie in der asiatischen Küche seit Langem selbstverständlich ist und zugleich einen festen Platz in meiner kosmetischen Arbeit gefunden hat.
Die Kelp Alge ist keine Selbstverständlichkeit
Ein Kelp Algenwald ist kein Rohstofflager, sondern ein lebendiger Teil des Meeres. In ihm finden Fische, Seeigel und viele andere Meeresbewohner Nahrung und Schutz. Gleichzeitig nutzen Menschen Kelp Algen als Lebensmittel, als Ausgangsstoff für Alginate und als Bestandteil kosmetischer Produkte.
Viele dieser Wälder stehen inzwischen unter Druck. Steigende Meerestemperaturen und marine Hitzewellen können große Bestände schädigen. Je nach Region kommen Verschmutzung, Sedimente oder eine starke Ausbreitung von Seeigeln hinzu. Manche Kelp Algenwälder bleiben stabil, andere sind bereits deutlich zurückgegangen.
Für meine Arbeit ist dieser Zusammenhang sehr konkret. Qualität und langfristige Verfügbarkeit der Kelp Alge hängen davon ab, wie es den Beständen im Meer geht und wie verantwortungsvoll wir mit ihnen umgehen. Ich möchte diese Alge auch in Zukunft kosmetisch verwenden können, weshalb der Schutz ihres Lebensraums für mich die Voraussetzung für einen verantwortungsvollen Umgang mit diesem Rohstoff ist.
Der Rohstoff, mit dem ich arbeite
Auch die Verarbeitung ist mir wichtig. Deshalb beschäftige ich mich sehr genau mit dem Kelp Algenpulver, das in meinen Behandlungen zum Einsatz kommt. Es besteht aus Laminaria digitata und wird auf eine Partikelgröße von 50 Mikrometern fein vermahlen. Es lässt sich dadurch gleichmäßig einarbeiten und entwickelt eine angenehm feine Textur. Das Pulver wurde nicht mit ionisierender Strahlung behandelt. Zur mikrobiologischen Stabilisierung wurde es wärmebehandelt.
Zusätzlich trägt es das NAT-Siegel von BioVidaSana und ist damit als natürlicher Kosmetikrohstoff zertifiziert. Bei einem Produkt, das ich selbst entwickelt habe und regelmäßig auf die Haut meiner Kundinnen und Kunden auftrage, möchte ich genau wissen, welchen Rohstoff ich verwende und wie er verarbeitet wurde.
Die Kelp Alge hat ihren festen Platz in meiner „The Fountain of Youth Mask„. Ich arbeite nicht nur gerne mit ihr, ich liebe, was sie in dieser Komposition leistet.
Meine Maske soll der Haut guttun, und die Kelp Alge, die ich dafür verwende, verdanke ich dem Meer. Damit ich auch in vielen Jahren noch mit ihr arbeiten kann, muss der Lebensraum erhalten bleiben, in dem sie wächst. Die Kelp Alge zu nutzen heißt für mich daher auch, diesen Lebensraum zu respektieren und zu schützen.
Ihr Mario Goldinger
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Quellen
Mario Goldinger. Behandlungen & Preise – The Fountain of Youth Mask.
Mario Goldinger. The Fountain of Youth Mask – Entstehungsgeschichte.
NOAA Office of National Marine Sanctuaries. Kelp Forest.
BioVidaSana. Standard für natürliche und ökologische Kosmetik.
Camassia Eco. Produktinformation: mikronisierte Laminaria digitata für kosmetische Anwendungen.





