Es werde Licht!

Auf den ersten Blick passt da einiges nicht zusammen. Wir schützen unsere Haut vor UV-Strahlung, diskutieren über Blue Light von Handys und Computern und kaufen Pflegeprodukte, die uns davor bewahren sollen. Und dann setzen sich Menschen freiwillig LED-Masken auf, die rotes oder blaues Licht direkt auf die Haut strahlen. Infrarot wiederum gilt einmal als Belastung für die Haut und beim nächsten Mal als wohltuende Behandlung.

Licht und Haut sind deshalb für mich kein Thema für pauschale Antworten. Vieles davon stimmt sogar, sofern man die verschiedenen Formen von Licht nicht in einen Topf wirft. Wellenlänge, Intensität, Dauer und Quelle bestimmen, wie Licht auf unsere Haut wirkt.

Von unsichtbar bis blau

Sonnenlicht besteht aus verschiedenen Bereichen elektromagnetischer Strahlung. Für unsere Haut sind vor allem drei davon interessant: ultraviolette Strahlung, sichtbares Licht und Infrarot. Sie unterscheiden sich in ihrer Wellenlänge und dadurch auch darin, wie sie mit unserer Haut interagieren.

UV-Strahlung liegt außerhalb des für uns sichtbaren Bereichs. Darauf folgt das sichtbare Licht mit all den Farben, die wir wahrnehmen können. Blaues Licht sitzt im kurzwelligen, energiereicheren Teil dieses Spektrums. Hinter dem roten Bereich beginnt Infrarot, das unser Auge ebenfalls nicht erfasst.

LED bezeichnet dabei keine eigene Lichtart. Es handelt sich um eine Technologie, mit der sich bestimmte Wellenlängen gezielt erzeugen lassen. Deshalb taucht LED weiter unten noch einmal auf, wenn es um die kontrollierte Anwendung von Licht auf der Haut geht.

Sonne ist mehr als UV

Beim Stichwort Sonnenschäden denken die meisten zuerst an UV-Strahlung, und das zu Recht. Sowohl UVA als auch UVB spielen bei Hautschäden eine wichtige Rolle. UVB wirkt vor allem in den oberflächlicheren Hautschichten und ist stark am Sonnenbrand beteiligt. UVA dringt tiefer ein und trägt wesentlich zur vorzeitigen Hautalterung bei. Zu viel UV-Strahlung erhöht außerdem das Hautkrebsrisiko.

Dass konsequenter Sonnenschutz auch sichtbare Hautalterung reduzieren kann, wurde nicht nur im Labor untersucht. Eine große randomisierte Studie zeigte, dass täglicher Sonnenschutz über Jahre hinweg mit weniger sichtbarer Hautalterung verbunden war als eine unregelmäßige Anwendung.

Trotzdem taugt die Sonne nicht zum reinen Feindbild. Sonnenlicht ist biologisch relevant, und UVB-Strahlung ermöglicht unter anderem die körpereigene Vitamin-D-Synthese in der Haut. Stundenlanges ungeschütztes Sonnenbaden rechtfertigt das allerdings nicht. Für mich lautet die Frage deshalb nicht Sonne ja oder nein, sondern wie vernünftig ich mit ihr umgehe.

Mit UV endet das Thema Sonnenlicht allerdings noch lange nicht.

Blue Light kommt nicht nur aus dem Handy

Blue Light zählt zu den am häufigsten missverstandenen Begriffen der Hautpflege. Blaues Licht kann biologische Effekte in der Haut auslösen. Studien zeigen etwa, dass bestimmte Wellenlängen im blau-violetten Bereich Pigmentierung verstärken können. Besonders relevant wird das bei stärker pigmentierten Hauttypen und generell dort, wo Pigmentierung ein Thema ist..

Die größte Quelle für blaues Licht im Alltag ist allerdings nicht Ihr Bildschirm, sondern die Sonne. Im Vergleich dazu fällt die Lichtdosis von Smartphones oder Computern unter normalen Bedingungen sehr gering aus. Eine 2025 veröffentlichte Untersuchung, in der verschiedene Smartphones, Tablets und Computer vermessen wurden, kam zu dem Schluss, dass die von Displays abgegebenen Dosen an sichtbarem und blauem Licht im Alltag wahrscheinlich keine relevante Hautschädigung verursachen.

Bedeutungslos ist Blue Light für die Haut damit nicht. Quelle und Dosis gehören aber in jede Betrachtung. Mehrere Stunden vor einem Bildschirm sind hinsichtlich der Lichtmenge nicht mit mehreren Stunden im Sonnenlicht vergleichbar.

Wer aus Sorge um die Haut sofort den Night-Shift-Modus einschaltet, während er ungeschützt in der prallen Sonne sitzt, setzt daher möglicherweise am falschen Ende an.

Sichtbares Licht wird vor allem bei Pigmentproblemen zunehmend in den Sonnenschutz einbezogen. Untersuchungen zeigen beispielsweise, dass getönte Formulierungen mit Eisenoxiden die durch sichtbares Licht ausgelöste Pigmentierung besser reduzieren können als ein nicht getönter mineralischer Sonnenschutz allein.

Auch bei meinen Produkten beschäftige ich mich mit Schutzkonzepten rund um Blue Light, weil sie für bestimmte Hautbilder eine sinnvolle Ergänzung darstellen. Das Smartphone allein ist für mich aber noch kein Grund, die Hautpflege in Alarmbereitschaft zu versetzen.

Infrarot ist nicht gleich Infrarot

Infrarot wird gerne verteufelt oder romantisiert. Beides greift zu kurz. Der Infrarotbereich unterteilt sich in IR-A, IR-B und IR-C, wobei für die Hautforschung vor allem IR-A interessant ist, weil dieser Bereich vergleichsweise tief in das Gewebe eindringt.

Auch Sonnenlicht enthält Infrarot. IR-A-Exposition kann Prozesse fördern, die mit Hautalterung in Verbindung stehen. Dazu gehört unter anderem eine erhöhte Aktivität von Enzymen, die Bestandteile des Bindegewebes und damit auch Kollagenstrukturen abbauen.

Gleichzeitig kommt nahes Infrarot in der Medizin und in der Photobiomodulation gezielt zum Einsatz. Dort arbeitet man mit ausgewählten Wellenlängen bei festgelegter Leistung und Behandlungsdauer. Dass Infrarot einmal als Belastung und ein anderes Mal als Behandlung auftaucht, ist deshalb kein Widerspruch. Entscheidend bleibt die konkrete Exposition.

Wenn Licht zur Behandlung wird

Bei der Photobiomodulation werden bestimmte Wellenlängen in kontrollierten, nicht zerstörenden Dosen eingesetzt, um biologische Prozesse im Gewebe zu beeinflussen. Am häufigsten untersucht man rotes Licht und Nahinfrarot. Auf zellulärer Ebene lassen sich dadurch unter anderem Prozesse beeinflussen, die mit Energieproduktion, Entzündungsreaktionen und Regeneration zusammenhängen.

Für die Haut liegen inzwischen auch klinische Untersuchungen vor. Eine 2025 veröffentlichte randomisierte, doppelblinde und kontrollierte Studie prüfte beispielsweise eine LED-Maske für zuhause, die mit 630 Nanometern Rotlicht und 850 Nanometern Nahinfrarot arbeitete. Nach mehreren Wochen zeigten sich bei den behandelten Personen Verbesserungen im Bereich der Krähenfüße gegenüber der Kontrollgruppe.

Photobiomodulation ist damit mehr als ein Wellness-Trend. Eine pauschale Aussage über jedes Gerät, das rotes oder infrarotes Licht abgibt, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.

LED-Masken zwischen Wissenschaft und Marketing

LED-Masken sind ein technisches Werkzeug, um Licht bestimmter Wellenlängen auf die Haut zu bringen. Der Markt macht daraus gerne eine sehr einfache Geschichte. Rot, blau, grün oder gelb sollen jeweils eigene Effekte haben, und je mehr Farben eine Maske anbietet, desto beeindruckender liest sich die Produktbeschreibung.

Für die Beurteilung einer LED-Anwendung reicht die Farbe alleine nicht aus. Relevant sind die konkrete Wellenlänge, die Bestrahlungsstärke, die Energiedosis sowie Dauer und Häufigkeit der Anwendung. Ebenso wichtig ist die Frage, ob für das verwendete Gerät oder zumindest für vergleichbare Parameter klinische Daten existieren.

Zwei Masken können beide rot leuchten und trotzdem völlig unterschiedliche Lichtmengen an die Haut abgeben. War eine bestimmte Maske in einer guten klinischen Untersuchung wirksam, lässt sich dieses Ergebnis daher nicht automatisch auf jedes andere Gerät mit roten LEDs übertragen.

Bei manchen Produktbeschreibungen hat man ohnehin den Eindruck, die siebte Lichtfarbe warte nur noch auf ihren Nobelpreis. Beim Kauf würde ich deshalb weniger auf die Anzahl der Farben achten als auf nachvollziehbare technische Angaben und belastbare Daten.

Licht ist nicht gleich Licht

Nimmt man alle Bereiche zusammen, bleibt die Sonne der zentrale Faktor, wenn es um lichtbedingte Hautveränderungen geht. UV-Strahlung ist der am besten belegte Treiber der lichtbedingten Hautalterung. Sichtbares Licht spielt vor allem bei Pigmentierung eine Rolle, während die Wirkung von Infrarot stark von Wellenlänge und Exposition abhängt. LED wiederum stellt keine eigene Form von Strahlung dar, sondern eine Möglichkeit, bestimmte Wellenlängen gezielt einzusetzen.

Für die tägliche Hautpflege bleibt Sonnenschutz deshalb die wichtigste Maßnahme gegen lichtbedingte Hautalterung. Wer zu Pigmentierungen neigt, kann zusätzlich den Schutz vor sichtbarem Licht stärker berücksichtigen. Wer dagegen jeden Tag viele Stunden vor dem Laptop sitzt, muss nach derzeitiger Datenlage nicht davon ausgehen, dass sein Bildschirm die Haut auch nur annähernd so stark belastet wie die Sonne.

LED-Masken können sinnvoll sein, sofern ein Gerät geeignete Wellenlängen und eine passende Dosis liefert und regelmäßig entsprechend dem untersuchten Protokoll angewendet wird. Dass eine Maske leuchtet, sagt für sich genommen noch wenig über ihre Wirkung aus.

Was tun, wenn die Sonne bereits Spuren hinterlassen hat?

Sonnenschäden entstehen über Jahre und zeigen sich ganz unterschiedlich. Pigmentveränderungen, ein ungleichmäßiger Hautton, eine gröbere Hautstruktur und Falten gehören zu den typischen Zeichen lichtgealterter Haut.

In meinem Salon ist mein Signature Treatment auch für sonnengeschädigte Haut eine mögliche Behandlung. Welche Pflege und welche Behandlung sinnvoll sind, hängt vom jeweiligen Hautbild ab. Ein Pigmentfleck, trockene lichtgealterte Haut und eine ausgeprägte Sonnenschädigung sind drei verschiedene Ausgangslagen.

Wovon ich jedenfalls abraten würde, ist ein Leben unter Ausschluss von Licht. Ich werde weiterhin in die Sonne gehen, mich schützen, wo es sinnvoll ist, und genauer hinschauen, wenn eine bestimmte Art von Licht pauschal als schädlich oder als besonders gut für die Haut dargestellt wird.

Denn so einfach ist es nicht. Es werde Licht, aber bitte genauer hinschauen.

Ihr Mario Goldinger

Sie möchten wissen, welche Pflege bei lichtgealterter oder sonnengeschädigter Haut sinnvoll ist? Ich freue mich auf Sie in meinem Schönheitssalon in Wien Margareten. Termin vereinbaren.

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Quellen

1. World Health Organization (WHO): Ultraviolet radiation

https://www.who.int/health-topics/ultraviolet-radiation

2. Hughes MCB et al. (2013): Sunscreen and prevention of skin aging: a randomized trial. Annals of Internal Medicine. PMID 23732711

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23732711

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https://ods.od.nih.gov/factsheets/VitaminD-HealthProfessional

4. Duteil L et al. (2014): Differences in visible light-induced pigmentation according to wavelengths: a clinical and histological study in comparison with UVB exposure. PMID 24888214

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24888214

5. Charoenpipatsin N et al. (2025): Dosimetry Assessment of Potential Hazard from Visible Light Emitted by Electronic Devices. PMID 39867977 / PMCID PMC11761154

https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11761154

6. Dumbuya H et al. (2020): Impact of Iron-Oxide Containing Formulations Against Visible Light-Induced Skin Pigmentation in Skin of Color Individuals. PMID 32726103

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32726103

7. Grether-Beck S et al. (2015): Effective photoprotection of human skin against infrared A radiation by topically applied antioxidants: results from a vehicle controlled, double-blind, randomized study. PMID 25349107

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25349107

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9. Hamblin MR (2017): Mechanisms and applications of the anti-inflammatory effects of photobiomodulation. PMID 28748217

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10. Park SH et al. (2025): Clinical study to evaluate the efficacy and safety of home-used LED and IRED mask for crow’s feet: a multi-center, randomized, double-blind, sham-controlled study. PMID 39960921

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39960921