Selbstbräuner? Bei mir nicht.

Ist Selbstbräuner gefährlich? Die ehrliche Antwort ist differenzierter, als Werbung und Warnungen vermuten lassen. Ich könnte Selbstbräuner verkaufen. Angebote gab es genug, auch von Unternehmen, deren Produkte ich grundsätzlich schätze. Ein paar Tropfen für die Gesichtscreme, eine Lotion für den Körper, ein schönes Versprechen dazu – die Nachfrage wäre vermutlich da.

Ich tue es trotzdem nicht.

Nicht, weil ich glaube, dass jeder Tropfen Selbstbräuner gefährlich ist. Und auch nicht, weil ich jemandem vorschreiben möchte, welche Hautfarbe er oder sie schön finden soll. Ich verkaufe ihn nicht, weil ich bei jedem Produkt dieselbe Frage stelle: Was bringt es der Haut?

Was Selbstbräuner der Haut bringt? Vor allem eine andere Farbe.

Was da eigentlich braun wird

Der wichtigste Wirkstoff in den meisten Selbstbräunern heißt Dihydroxyaceton, kurz DHA. Dahinter steckt ein einfacher Zucker, der mit Aminosäuren in der äußersten Hornschicht reagiert. Dabei entstehen braune Farbstoffe, sogenannte Melanoidine.

Das klingt komplizierter, als es ist. Die Haut bildet dabei kein zusätzliches Melanin, wie sie es nach UV-Strahlung tut. Die sichtbare Färbung entsteht vor allem in der Hornschicht. Weil sich deren Zellen laufend abschuppen, verschwindet auch die Farbe nach einigen Tagen wieder.

Natürlich unterscheiden sich die Produkte. Die Konzentration von DHA ist nicht immer gleich, die Formulierungen sind verschieden und auch Feuchtigkeit, pH-Wert oder Hautbeschaffenheit beeinflussen das Ergebnis. Das Grundprinzip bleibt bei den üblichen DHA-Produkten jedoch dasselbe: Es entsteht eine kosmetische Färbung, keine natürliche Bräune.

Die Haut sieht vorbereitet aus. Ist sie aber nicht.

Darin liegt für mich eines der größten Probleme. Gebräunte Haut kann den Eindruck erwecken, sie hätte bereits Sonne gesehen und könne mit weiterer Sonne besser umgehen. Bei einem Selbstbräuner ist das reine Optik.

Die systematische Übersichtsarbeit von Laferté, Oliel und Pehr (2026) führt für DHA unter bestimmten Bedingungen eine sehr geringe Schutzwirkung an. Bei einer ungewöhnlich hohen Konzentration wurde vorübergehend ein Lichtschutzfaktor von ungefähr 3 gemessen. Das liegt weit unter dem, was als ausreichender Sonnenschutz gilt. Hinzu kommt, dass die verwendete DHA-Konzentration über dem heute in der EU empfohlenen Höchstwert für Cremes und Lotionen lag.

Die Farbe kann Schutz suggerieren, bietet ihn aber nicht zuverlässig.

Selbstbräuner ersetzt daher weder Sonnencreme noch Kleidung oder Schatten. Wer gebräunt aussieht, kann trotzdem einen Sonnenbrand bekommen und die Haut durch UV-Strahlung schädigen.

Was mich an Selbstbräunern stört

Man könnte nun sagen: Wenn die Farbe gefällt und das Produkt nur an der Oberfläche wirkt, wo ist dann das Problem?

Das Problem ist nicht ein einzelner Inhaltsstoff, der jeden Menschen krank macht. So einfach ist es nicht. Mich stört vielmehr das Verhältnis: Die Haut bekommt vor allem Farbe, gleichzeitig nimmt man dafür zusätzliche Stoffe und offene Fragen in Kauf.

Was zusätzlich auf die Haut kommt

Bei der Bräunungsreaktion kann ein typischer Eigengeruch entstehen. Viele Produkte versuchen, ihn mit Duftstoffen zu überdecken. Rigali und Liszewski untersuchten 220 Selbstbräuner und berichteten 2024, dass 73 Prozent Duftstoffe oder Parfum enthielten. Häufig fanden sich außerdem Konservierungsmittel und weitere Inhaltsstoffe, die bei entsprechend sensibilisierten Menschen Kontaktreaktionen auslösen können. Newton und ihr Forschungsteam fanden 2024 in 44 verbreiteten Produkten durchschnittlich 11,86 potenzielle Kontaktallergene pro Produkt.

Das bedeutet nicht, dass jeder Mensch auf Selbstbräuner allergisch reagiert. Ein potenzielles Allergen ist noch keine Allergie. Wer jedoch sensible, gereizte oder bereits zu Kontaktallergien neigende Haut hat, sollte die Inhaltsstoffliste sorgfältig prüfen. Bei solchen Hautbildern versuche ich normalerweise, unnötige Reize zu reduzieren – nicht weitere hinzuzufügen, nur damit die Haut anders aussieht.

Ein weiterer Punkt ist die Austrocknung. Manche Sprayformulierungen enthalten Ethanol beziehungsweise Alcohol denat. In höherer Konzentration und besonders in wässrigen Formulierungen kann er die Hautbarriere belasten und austrocknend wirken. Feuchtigkeitsspendende Bestandteile können diesen Effekt abfedern. Dafür kommen auch reichhaltige oder okklusive Lipide zum Einsatz. Je nach Fettstoff, Konzentration und Hauttyp können solche Rezepturen jedoch Unreinheiten begünstigen. Gerade bei zu Unreinheiten neigender Haut kann der Versuch, die Austrocknung auszugleichen, damit ein neues Problem schaffen.

Was DHA jenseits der Hornschicht auslösen kann

Bei Selbstbräunern heißt es oft, DHA reagiere nur in der abgestorbenen Hornschicht. Die sichtbare Farbe entsteht zwar dort. Untersuchungen an menschlichen Hautproben zeigen jedoch, dass kleinere Mengen des Wirkstoffs auch über die Hornschicht hinausgelangen können. DHA wurde in der Epidermis, in der Dermis und sogar unterhalb der Hautprobe nachgewiesen. Die Aufnahme war gering, aber messbar. Die pauschale Entwarnung, der Wirkstoff bleibe vollständig an der Oberfläche, lässt sich damit nicht halten.

Noch deutlicher sind die Befunde zu lebenden Zellen. Petersen et al. beobachteten in direkt mit DHA behandelten, kultivierten Hautzellen je nach Dosis und Einwirkzeit DNA-Strangbrüche, einen Stopp des Zellzyklus und programmierten Zelltod. Antioxidantien konnten die DNA-Schäden verhindern. Das spricht dafür, dass oxidativer Stress bei diesen Schäden eine zentrale Rolle spielt.

Laut einer weiteren Laborstudie löste DHA auch in menschlichen Hautzellen und in einem rekonstruierten Modell der Epidermis deutliche Stressreaktionen aus. Zusätzlich wurden bestimmte Glykationsprodukte nachgewiesen. Damit geht es nicht nur um eine kosmetische Reaktion an der Oberfläche. Unter den untersuchten Bedingungen zeigte DHA Wirkungen, die Zellen schädigen können und für Prozesse der Hautalterung relevant sind.

Untersucht wurde das im Labor und an Hautmodellen, nicht über Jahre an Menschen, die handelsübliche Selbstbräuner verwenden. Wie stark diese Effekte bei normaler Anwendung auftreten, ist daher offen. Die Studien zeigen aber mögliche Auswirkungen und  Gefahren wie DNA-Schäden, oxidativen Stress, gestörte Zellabläufe oder Glykationsprozesse. Der zuständige EU-Ausschuss bewertet DHA in Cremes und Lotionen bis zu zehn Prozent auf Basis der verfügbaren Daten als sicher. Eine Langzeitstudie am Menschen ist diese Bewertung nicht, und die beobachteten Warnsignale verschwinden dadurch nicht. Bei einem Produkt, dessen wesentlicher Nutzen eine andere Farbe ist, reicht mir das, um zu sagen: Für mich stimmt dieses Verhältnis nicht.

Bei Sprays kommt ein zusätzliches Risiko hinzu

Bei Sprays kommt ein zusätzlicher Expositionsweg hinzu: Was fein in der Luft verteilt wird, kann eingeatmet werden oder mit Augen, Lippen und Schleimhäuten in Kontakt kommen. Die Canadian Dermatology Association rät deshalb zu Vorsicht.

Neuere Untersuchungen an Zellen und Mäusen liefern zusätzliche Gründe, die inhalative Anwendung ernst zu nehmen. Sie zeigen mögliche genetische Veränderungen in Zellmodellen sowie Entzündungen und Lungenschäden bei Mäusen nach eingeatmetem DHA. Diese Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf Menschen übertragen und beweisen nicht, dass Spray-Tanning entsprechende Erkrankungen verursacht. Sie sind jedoch ein guter Grund, Spray-Tanning besonders kritisch zu sehen. Eine Creme oder Lotion vermeidet zwar die mögliche Einatmung des Aerosols. Die Risiken und offenen Fragen der Anwendung auf der Haut bleiben davon aber unberührt.

Ist Selbstbräuner nicht immer noch besser als Sonnenbaden?

Dieses Gegenargument ist berechtigt.

Wenn jemand unbedingt gebräunt aussehen möchte, ist ein korrekt angewendeter Selbstbräuner als Creme oder Lotion nach heutigem Wissensstand die risikoärmere Alternative zum absichtlichen Bräunen in der Sonne oder im Solarium. UV-Strahlung kann Hautzellen und ihre DNA schädigen. Eine Bräune nach UV-Kontakt ist deshalb kein Zeichen besonderer Gesundheit, sondern eine Reaktion der Haut auf Strahlung.

Ich behaupte daher nicht, Selbstbräuner sei gefährlicher als Sonnenbräune. Das wäre wissenschaftlich nicht haltbar.

Die Entscheidung lautet allerdings nicht zwangsläufig Selbstbräuner oder Sonnenbad. Man kann auch bei der eigenen Hautfarbe bleiben.

Ich bin pro Licht und auch pro vernünftig dosierte Sonne. UV-B-Licht ermöglicht dem Körper, Vitamin D in der Haut zu bilden. Wie viel Sonne sinnvoll ist, hängt unter anderem von Jahreszeit, Hauttyp, Tageszeit, Kleidung und Aufenthaltsdauer ab. Daraus wird kein Freibrief fürs Braten. Regelmäßiger Aufenthalt im Freien innerhalb der Eigenschutzzeit ist etwas anderes als gezieltes, ungeschütztes Bräunen. 

Farbe alleine reicht mir nicht

In meiner Arbeit verwende ich Produkte, die reinigen, schützen, stabilisieren oder ein konkretes Hautproblem verbessern sollen. Natürlich darf ein kosmetisches Produkt auch einfach schön machen. Aber wenn ich etwas großflächig und regelmäßig auf die Haut gebe, reicht mir die Farbe allein als Nutzen nicht.

Bei Selbstbräunern stehen diesem optischen Effekt je nach Produkt Duftstoffe, Konservierungsmittel, mögliche Kontaktallergene und wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärte Langzeitfragen gegenüber. Bei Sprays kommt die mögliche Einatmung hinzu. Dieses Verhältnis überzeugt mich nicht.

Andere Menschen dürfen sich selbstverständlich anders entscheiden. Wer Selbstbräuner verwendet, sollte aus meiner Sicht eine Creme oder Lotion gegenüber einem Spray bevorzugen, die Inhaltsstoffliste prüfen und weiterhin konsequenten Sonnenschutz verwenden.

Meine Entscheidung bleibt dennoch dieselbe: Ich halte nicht jeden Selbstbräuner für gefährlich. Ich sehe aber keinen Grund, ihn zu empfehlen. Farbe allein ist für mich kein Nutzen für die Haut.

Sie müssen nicht gebräunt sein, damit Ihre Haut schön aussieht. Sie sollte gut versorgt sein, möglichst reizfrei bleiben und sich gut anfühlen. Dafür bin ich zu haben. Beim Umfärben eher nicht.

Sie möchten wissen, was Ihre Haut braucht? Ich freue mich auf Sie in meinem Salon

Ihr Mario Goldinger

Quellen

Die folgenden Quellen bilden die wissenschaftliche Grundlage des Artikels.

  1. Laferté C, Oliel S, Pehr K. Clinical Use and Safety of Self-Tanner (Topical Dihydroxyacetone) in Dermatology: A Systematic Review. Journal of Cutaneous Medicine and Surgery. 2026. Quelle öffnen
  2. Owji S et al. Properties and safety of topical dihydroxyacetone in sunless tanning products: A review. Photodermatology, Photoimmunology & Photomedicine. 2023. Quelle öffnen
  3. Newton J et al. A cross-sectional review of contact allergens in popular self-tanning products. International Journal of Women’s Dermatology. 2024. Quelle öffnen
  4. Rigali S, Liszewski W. Contact Allergens in Self Tanner Products. Dermatitis. Online veröffentlicht 2024; Ausgabe 2025. Quelle öffnen
  5. Hernandez A et al. Acute exposure to dihydroxyacetone promotes genotoxicity and chromosomal instability. Toxicological Sciences. 2024. Quelle öffnen
  6. Hernandez A et al. Inhalation exposure to dihydroxyacetone promotes lung injury and pulmonary fibrosis in A/J mice. Toxicology Reports. 2025. Quelle öffnen
  7. Canadian Dermatology Association. The Use of Sunless Tanners. Position Statement. 2024. Quelle öffnen
  8. Centers for Disease Control and Prevention. Reducing Risk for Skin Cancer. Aktualisiert 2026. Quelle öffnen
  9. Petersen AB, Wulf HC, Gniadecki R, Gajkowska B. Dihydroxyacetone, the active browning ingredient in sunless tanning lotions, induces DNA damage, cell-cycle block and apoptosis in cultured HaCaT keratinocytes. Mutation Research. 2004. Quelle öffnen
  10.  Perer J et al. The sunless tanning agent dihydroxyacetone induces stress response gene expression and signaling in cultured human keratinocytes and reconstructed epidermis. Redox Biology. 2020. Quelle öffnen
  11.  Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS). Opinion on Dihydroxyacetone (DHA), SCCS/1612/19. Final Opinion. 2020. Quelle öffnen
  12.  Celikoglu M et al. A pilot study on the cutaneous effects of ethanol in a moisturizing cream on non-lesional skin of patients with atopic dermatitis. Scientific Reports. 2025. Quelle öffnen
  13.  Österreichisches Gesundheitsportal. Vitamin D. Zuletzt aktualisiert 2024. Quelle öffnen